Risikosympathie

Broker Business Modelle – Part II

Brokertipp2

Part II – Was ist ein Aggregator?

Im vorherigen Artikel habe ich Dir drei Broker-Modelle vorgestellt und welche Vorteile bzw. Nachteile sie für den Broker selbst bieten.

Weiter geht es mit der Erklärung was ein Aggregator ist. Du bist ein Forex- und CFD Trader? Dann bitte unbedingt weiterlesen.

Was ist ein Aggregator?

Ein Aggregator ist ein Anbieter einer Plattform (die ebenfalls häufig Aggregator genannt wird) an welche sich verschiedene Liquiditätsprovider (Banken, andere Broker) mittels einer API anbinden können um ihre Bid&Ask Kurse für das jeweilige Währungspaar anzubieten.

Es ist also ein Sammelbecken an Kursstellungen und die Broker können ihren Kunden den aktuell auf der Plattform günstigsten verfügbaren Kurs anbieten.

Aggregatoren selbst bieten verschiedene Modelle an. Daraus ergeben sich weitere signifikante Unterschiede zwischen den Broker mit A-Book-Modell bzw. Hybrid Modell. Je nachdem welche Services er von dem Aggregator in Anspruch nimmt.

Direkte Tier1-Anbindung

Dies bedeutet das der Broker einen Zugang zu den Tier1-Banken erhält.

Wenn wir von Tier 1-Investmentbanken sprechen, dann sind damit globale Institute gemeint, die in den meisten Produktkategorien eine führende Position einnehmen. Viele gibt es davon allerdings nicht. Erst kürzlich habe ich einen Chart von Coalition gesehen aus dem hervorgeht das es genau genommen nur noch eine „Tier1“ Bank geben dürfte: JP Morgan

Neben JP Morgan gehören aber weiterhin, Goldman Sachs, Citi, Morgan Stanley und Bank of America zu den Tier1 Banken.

Über einen Aggregator eine Tier1-Anbindung zu erhalten ist zweifelsohne kostspielig aber immer noch günstiger als ein direkter Zugang. Die mit einem Direktzugang verbundenen Anforderungen hinsichtlich Kapital, Mitarbeiter im Risikomanagement, Monitoringtools etc. können schnell mittlere 7-stellige Kosten verursachen.

Prime-of-Prime Anbindung

Die zweite und noch günstigere Variante ist es über einen Aggregator einen Prime-of-Prime Vertrag abzuschließen.

Bei dieser Lösung hat man Zugriff auf einen Pool von Liquiditätsprovidern welcher nicht nur aus Tier1 Banken besteht.
Neben Tier1 und Tier2-Banken bieten hier auch andere Market Maker (über eigene B-Book Modelle) ihre Bid&Ask Kurse an.

Für ECN/STP Broker gibt es bei dieser Lösung jedoch einige Fallstricke die ebenfalls eine Menge Geld kosten können bzw. den Gewinn schmälern.

Welche Fallstricke können dies sein?

Zum Beispiel in Form eines langsamen, ungenauerer Preisfeed. Je komplizierter die Struktur ist und je mehr Liquiditätsprovider der Broker anbindet, desto länger dauert es, bis der aktuelle Kurs ihre Handelsserver erreicht. Infolgedessen senden die Broker verzögerte Preise an ihre Kunden.

Große Banken können in volatilen Märkten durchaus mehr als 500 Kursaktualisierungen pro Sekunde senden. Wenn ein Prime-of-Prime Anbieter (Aggregator) zum Beispiel Kursstellungen von 20 Liquiditätsprovider annimmt, können so mehr als 10.000 Aktualisierungen pro Sekunde entstehen. Diese als Broker zu verarbeiten um den Kunden den bestmöglichen Kurs zu bieten kann durchaus schwierig werden. Und wenn dann der Broker noch auf mehr als einen Prime-of-Prime Aggregator zurückgreift…

Am Ende leidet die Latenz und der Broker ist möglicherweise gar nicht in der Lage die besten verfügbaren Bid&Ask Kurse an die Kunden weiterzugeben.   

  • Die Swap-Kosten sind höher, wenn der Broker eine Short-Position bei einem Provider und eine Long-Position über einen anderen haben.
  • Die Handelskosten sind höher, da der Broker den Spread zahlen muss, um Long-Positionen bei einem der Liquiditätsprovider und Short-Positionen bei einem anderen zu schließen.
  • Die Einzahlungskosten sind höher, wenn der Broker eine Einschusszahlung auf zwei oder mehr Konten leisten muss.
  • Die Gesamtkosten sind höher, da der Broker für viele im Aggregator-Pool vorhandene LP´s ein weniger wichtiger Kunde sind und dadurch größere Spreads und Swaps erhält sowie höhere Provisionen zahlen muss.

Das alles sind explizite Kosten, die einem Broker entstehen und die Rentabilität verringern, wenn er das Prime-to-Prime Modell verwendet.

Kurzes Fazit:

Das Hybrid Modell mit Anbindung an eines einzelnen Prime-of-Prime Aggregator dürfte für den Broker wohl die Lösung sein welche sich am besten skalieren lässt und dennoch relativ kostengünstig ist.

Ein erfolgreicher Aggregator welcher auch das Hybrid-Modell anbietet ist Seamless-FX. seamless-fx.com

Ein Blick wie das ganze aufgebaut ist lohnt sich und ist spannend zugleich. Für die Broker/Market Maker welche Seamless FX nutzen ist es zum Beispiel ein leichtes die Spreads für bestimmte Kundengruppen zu verändern oder mit einem Klick die Orders an einen bestimmten Liquiditätsprovider zu routen. Wobei gerade dieser Punkt des bestimmten Routings alles andere als „simpel“ ist. Anfang 2017 hat der Broker FXCM seine Lizenz in den USA verloren weil er 70% aller Orders an einen bestimmten Market Maker geroutet hat. Mit diesem bestand wohl eine Art Cash-back Vertrag.

Im dritten Artikel unserer Serie fassen wir uns das bisher erarbeitete nochmals an und versuchen dadurch den für uns besten Broker zu finden.

Beste Grüße, Davy

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